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26.05.2007 Früh Morgens starten wir mit zwei Ultraleichtflugzeugen (eine C42 und eine G3) sowie einer Piper PA18 zu unserem lange geplanten Deutschlandflug. Bei CAVOK Bedingungen fliegen wir mit 150 km/h in Formation unsere erste Etappe nach Nordost. In Franken landen wir zu unserem ersten Tankstopp nach 1 1/2 Stunden Flugzeit in Kulmbach. Nachdem die Tanks gefüllt und die Blasen geleert sind, geht es über den Frankenwald weiter. Den Anflugbereich von Leipzig mit Luftraum "Charlie" unterfliegen wir und sehen unter uns gewaltige Tagebaugebiete für Braunkohle. Teilweise ist die Landschaft bereits wieder rekultiviert und bietet mit vielen gefluteten Abbaugebieten eine reizvolle Seenlandschaft. In Oehna landen wir nach weiteren 80 Minuten und gönnen uns ein wohlverdientes Mittagessen. Nach einem kurzen Anruf in Berlin ist klar, dass wir in Tempelhof willkommen sind. Wir melden uns als Formation 5 Minuten vor dem Pflichtmeldepunkt (Whiskey1, BAB Dreieck Potsdam) und erhalten sofort die Freigabe zum Einflug in die Kontrollzone entlang des Teltowkanals zum Pflichtmeldepunkt Whiskey 2. Berlin als Millionenstadt zeigt sich aus der Luft von seiner schönen Seite mit viel Grün und Gewässern. Es herrscht reger Funkverkehr im Äther und unsere gründliche BZF Ausbildung macht sich sehr bezahlt!! Noch im Gegenanflug auf die 27R kommt die Frage, ob wir einen verkürzten Anflug machen können. Nachdem wir das bestätigt haben, heißt es "Piste 27R Landung frei" und wir drehen nach dem überfliegen der 27L in's Endteil zur 27R. 2000m Bahnlänge sind für uns durchaus ausreichend, und so gelingt uns auch eine lange Landung. Der "Follow-Me" erwartet uns am Rollhalt und geleitet uns zur Abstellposition. Hier werden wir durch einen "Marshaller" wie die "Großen" in die Abstellposition eingewinkt, mit den entsprechenden finanziellen Konsequenzen... Der Bus bringt uns zum Terminal, wo wir 62 € für die Landung und die Abstellgebühr berappen dürfen. Vor dem Terminal steht auf dem Platz der Luftbrücke eine Skulptur, die an die Versorgung Berlins aus der Luft durch die "Rosinenbomber" erinnert. Das Gegenstück dazu kann man in Frankfurt sehen. Sehr zu empfehlen ist am Platz der Luftbrücke das Cafe Flieger-Klause, wo es den Becher Kaffee für 80 Cent und einen hervorragenden Cappucino gibt! So gestärkt lassen wir die Personenkontrolle über uns ergehen (wohl dem, der seine Lizenz dabei hat) und werden vom Bus wieder zu unseren Maschinen gefahren. Der Fahrer macht für uns noch einen extra Umweg, damit wir besser Fotografieren können (vielen Dank dafür!). In Formation rollen wir um den ganzen Flugplatz herum wiederum zur 27R. Während wir am Rollhalt warten, backtrackt eine ATR42 über die 27L und startet dort. Wir erhalten ebenfalls die Startfreigabe mit der Anweisung nach dem Abheben die Richtung beizubehalten. Dann dürfen wir über Echo 2 und Echo 1 die Kontrollzone mit einem herrlichen Blick über Berlin und auf den Platz verlassen. Auch in Strausberg werden wir herzlich begrüßt, unsere Maschinen finden im neuen Hangar eine Herberge. Im Hotel Annablick finden wir eine sehr nette Unterkunft, die Chefin fährt uns durch den Regen zum Italiener, wo wir den langen Tag beim obligatorischen Weizen ausklingen lassen.
27.05.2007 Nach einem reichlichen Frühstück starten wir zur Erkundung Berlins. Tram und S-Bahn bringen uns zur Haltestelle Jannowitzbrücke von wo wir per Schiff über die Spree durch die Mühlendammschleuse und das Regierungsviertel bis zum Bundeskanzleramt fahren. Zu Fuß geht's zum Brandenburger Tor bis zur Siegessäule. Eine Stadtrundfahrt im Doppeldeckerbus rundet das Sight-seeing Program ab. Roxy, unserer Fremdenführerin, feuert in einem unglaublichen Tempo ihr ganzen Wissen auf uns ab, ein Maschinengewehr würde da nicht mithalten können... Angefüllt mit unserem neu erworbenen Wissen über Spitznamen der Berliner Gebäude beschließen wir den Tag.
28.05.2007 Unsere Tour führt uns weiter über Anklam nach Peenemünde. Durch niedrige Bewölkung können wir nicht über 1000ft steigen und müssen die ganzen 1.5h aufpassen, damit wir nicht in die Wolken einfliegen. In Peenemünde binden wir die Flugzeuge an und machen uns mit am Flugplatz geliehenen Fahrrädern auf den Weg zum Museum. Der Kraftwerksblock beherbergt eine sehenswerte und kritische Ausstellung zur Geschichte der Raketentechnik. Ein Teil der Anlagen (u.a. der Raketenprüfstand VII) ist immer noch Sperrgebiet wegen nicht geräumter Munition. Ein kurzer Rundgang durch ein im Hafen liegendes russisches Raketen-U-Boot rundet den Besuch ab. Während wir uns noch mit einer Tasse Kaffee stärken, zieht innerhalb weniger Minuten Seenebel auf und hüllt den Flugplatz in Grau. Wir haben keine Chance mehr auf einen Start am gleichen Tag und sitzen nun fest. Ein freundlicher Zeitgenosse erbietet sich, uns nach Karlshagen in einen Gasthof zu fahren, und erbittet für die 10 Minütige Fahrt 30 Euro!! Beim Abendessen spülen wir den Ärger mit viel Bier herunter und hoffen auf Wetterbesserung am nächsten Tag.
29.05.2007 Es wird nichts mit der Wetterbesserung, im Gegenteil. Zudem sind im Gasthaus keine Zimmer mehr frei und wir müssen uns auf Quartiersuche begeben. Im Hotel Nordkap werden wir fündig und auf einen Kaffee eingeladen, bis wir die Zimmer beziehen können. Auch den PC können wir benutzen um uns einen Wetterüberblick zu verschaffen. Die Aussicht ist so trüb wie das aktuelle Wetter, so fahren wir kurzentschlossen mit der Usedomer Bahn die Ostseeküste entlang bis Ahlbeck. Wenige Schritte bringen uns über die Grenze nach Polen und wir schlendern über den Markt Richtung Stadtmitte. Die Stände bieten alle mehr oder weniger das gleiche Sortiment, Bekleidung hier, Zigaretten mit und ohne Steuerbanderole dort. Beim Imbiss lernt ein Teil der Gruppe die Eigenschaften polnischer Bratwürste kennen, das Schaschlik war die bessere Wahl! Im Hafen liegt das polnische Segelschulschiff "Dar Mlodziezy", das wir aber leider nicht besichtigen können. Das Wetter verschlechert sich zusehends weiter und wir nehmen den Linienbus für 1 Euro zurück zur Grenze. Kaum im Bahnhof angelangt, fällt das Gewitter über uns her und lässt uns den ganzen Tag nicht in Ruhe. In Heringsdorf werden wir bis auf die Knochen nass und müssen uns im Pavillion auf der Landungsbrücke trocknen. Dabei helfen je nach Laune Bier oder Kaffee, die trübe Stimmung zu bessern. Im Hotel bekommen wir trotz vorgerückter Stunden ein tolles Essen serviert (die besten Matjes weit und breit) und sinken anschließend müde in unsere Betten.
30.05.2007 Hurra, der Seenebel hat sich verzogen und zögerlichem Blau am Himmel Platz gemacht! Nach dem Frühstück brechen wir auf und werden von den Besitzern des Hotels noch zum Flugplatz gefahren (Vielen Dank!!). Die Route führt uns am stillgelegten Kernkraftwerk Lubmin vorbei nach Wismar (Tankstop) und über die Lübecker Bucht und Ostholstein nach Kiel. Diesmal haben wir die Pflichtmeldepunkte vorher (!) im GPS gespeichert und erleichtern uns damit die Arbeit beträchtlich. Der Anflug geht bei strahlendem Sonnenschein über die Kieler Förde auf die 24 Gras. Auch hier bekommen wir ein Hangarquartier für die Flugzeuge und ein Bett in Rabe's Hotel in der Innenstadt. Ein Fördeschiff bringt uns nach Laboe zum Marineehrenmal. Dort liegt am Strand ein deutsches U-Boot Typ VIIc und weckt klaustrophobische Erinnerungen an den Film "Das Boot". Den Abend lassen wir gemütlich mit Blick über die Förde trotz der Kühle auf der Terasse des Restaurants "Schöne Aussichten" ausklingen, das seinem Namen alle Ehre macht.
31.05.2007 Die Wetterlage ist zweigeteilt, im Westen schlecht, im Osten gut. Wir entschließen uns trotzdem zum Flug auf die ostfriesischen Inseln. In St. Michaelisdonn legen wir noch einen Tankstopp ein. Der Flugleiter lotst uns zur Mogas Tankstelle und spendiert eine Kanne Kaffee (auch hier vielen Dank!). Wir überqueren die Elbemündung bei Cuxhaven und steigen zur Überquerung der Wesermündung auf 3500 ft. Trotz der Höhe können wir Schiffswracks ausmachen und Krabbenkutter beim Fang beobachten. Über Wangerooge müssen wir wegen zunehmender Bewölkung sinken und können noch bis Norderney in 2000 ft bleiben, wo jedoch der Regen einsetzt. Da die Vorhersage unsicher ist, wollen wir nicht das Risiko eingehen, auf den Inseln festzusitzen. Also drehen wir um und aktivieren Plan "B". In Uetersen gelandet gehen die Meinungen über das weitere Vorgehen auseinander. Da in Uetersen kein Quartier frei ist, entschließen wir uns nach einigem Hin und Her zur kostspieligen Fahrt mit dem Taxi nach Hamburg. Ein Hotel ist schnell gefunden und wir nutzen den Tag noch zu einer Hafenrundfahrt mit einer Barkasse. Der britische Flugzeugträger "Ark Royal" hat in Hamburg festgemacht und wird den G8-Gipfel in Heiligendamm "bewachen". Eines der grössten Containerschiffe mit einer Tragfähigkeit von 8.000 Containern wird gerade entladen, die Liegezeit beträgt dabei nur 1 Tag. Im Spanischen Viertel in der Nähe der Landungsbrücken beschließen wir den Tag bei Tapas, Paella und Fisch. Dass der Fisch natürlich schwimmen muss, sei nur am Rande vermerkt...
01.06.2007 Gerädert vom nächtlichen Straßenlärm sitzen wir beim Frühstück, die Gruppendynamik nimmt ihren Lauf... Im Ergebnis canceln wir das Hotel und teilen uns auf. Ein Teil der Gruppe macht eine Stadtrundfahrt mit dem Bus, ein Teil besichtigt die Miniwelt in der Speicherstadt und ein Teil den Museumshafen. Mittags machen wir uns per S-Bahn und Taxi auf den Weg zum Flugplatz. Als Ziel für diesen Tag wählen wir Ballenstedt / Quedlinburg. Wir fliegen um die Kontrollzone Hamburg herum und Richtung Uelzen. Dort nehmen wir Kurs Richtung Ballenstedt und überfliegen die ausgedehnten Werksanlagen von VW in Wolfsburg. Das markante Kraftwerk und die Autostadt sind aus der Luft deutlich zu sehen. In Ballenstedt bekommt nur die Piper ein Dach, die ULs müssen leider im Freien übernachten. Die Hotels in Quedlinburg sind ausgebucht, aber der sehr hilfsbereite Flugleiter findet noch ein Quartier für uns. Mit dem Linienbus fahren wir für 2,5 € in die Stadt und finden unser Hotel in einem Fachwerkhaus direkt unterhalb des Schlossbergs. Nach einem ausgiebigen Fußmarsch durch die Altstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern genießen wir im Biergarten der Brauerei Lüdde das dort gebraute dunkle "Pubarschknallbier" und "Knuttenforz" Pils. So innerlich gereinigt entlädt sich nun auch unser Stimmungsgewitter und wir können den Abend friedlich beschließen.
02.06.2007 Das Wetter hält sich leider nicht an die GAFOR Vorhersage, die Wolken hängen tief und unsere Stimmung auch. Wir haben die Zimmer nur für eine Nacht bekommen und packen daher am Morgen unsere Sachen. Während der Stadtführung beginnt es zu regnen, wir flüchten uns in's Schlosscafe. Nach der Stärkung geht's per Taxi zum Flugplatz, wo wir einen Startversuch in Richtung Westen machen wollen. Nach 5 Minuten ist die Sicht weg und wir müssen zurück zum Platz. Wieder findet der Flugleiter ein Quartier für uns, diesmal spartanisch schlicht in 4 Bett Zimmern. Wir mieten uns auf dem Flugplatz ein Auto (25€ / Tag), damit wir wenigstens die Gegend erkunden können und ersäufen unseren Frust bei Lüdde...
03.06.2007 Der Blick aus dem Fenster: Nebel, alles grau in grau und die Vorhersage genauso mau. Wir beschließen, das beste aus der Situation zu machen. Ein erster Lichtblick: Wir bekommen wieder Zimmer im Hotel des Vortages und liefern unser Gepäck dort ab. Wir verbringen den Tag in Wernigerode und starten mit dem dortigen Luftfahrt- und Technikmuseum. Man könnte meinen, es gäbe Starfighter im Sonderangebot, so viele Exemplare finden sich dort. Der Keller beherbergt eine große Sammlung von Rundfunk und Fernsehgeräten aus DDR Produktion. Ein weiterer Bereich ist dem Telefon gewidmet, eine funktionsfähige elektro- mechanische Wählanlage und eine Handvermittlung sind zu sehen. Nach einem Rundgang durch die Stadt (Wolfgang: Ich kann keine Fachwerkhäuser mehr sehen!) ist der Nachmittag dem Schloss Wernigerode gewidmet, das wir vom Verlies bis zum Turm durchstöbern. Im Brauhaus sind alle Tische besetzt, so dass wir im "Bären", wo schon Goethe speiste (wo war der noch nicht??), unser Abendessen zu uns nehmen. Im Anschluss daran gibt's doch noch Platz bei Lüdde und wir kommen zu unserem Knallbier.
04.06.2007 Es wird Zeit, dass wir nach Hause kommen. Hans und Rolf haben Termine am Dienstag, so daß die beiden auf jeden Fall zurück müssen. Die Frage ist nur, per Bahn oder per Flugzeug? Der morgendliche GAFOR, den wir im Hotel dank PCmet abrufen können, verspricht Besserung im Laufe des Tages, der Harz soll jedoch in Wolken bleiben. Ein erstes blaues Loch am Himmel lässt Hoffnung aufkeimen, während die Zugverbindungen nach Ulm gecheckt werden. Nach langen Diskussionen der Entschluss: Wir fahren gemeinsam zum Flugplatz und entscheiden dort. Das Wetter bleibt nördlich des Harzes zweifelhaft, daran ändert auch eine individuelle Beratung nichts. Manfred macht einen Probeflug nach Osten: Ceiling 2000 ft, aber Richtung Osten ist die Bewölkung sehr tief. Bockwurst und Kartoffelsalat zum Mittagessen, die Nerven liegen blank. Nach einer weiteren Beratung der Entschluß: Wir probieren es Richtung Westen, wenn die Richtung nicht fliegbar ist, dann Umkehr. Zum Glück liegen auf unserem Weg nur kleine Schauer, so dass wir mit ausreichend Sicht und Wolkenabstand fliegen können. Nach Süden steigt die Basis immer höher und die Sonne scheint durch die ersten Löcher. Nach dem Tankstop in Hassfurt machen wir uns auf den Weg nach Erbach. Wir umfliegen eine beginnende Gewitterzelle und landen bei Sonnenschein und 2/8 Cumuli Bewölkung nach insgesamt 16 Flugstunden und 2100 km wieder wohlbehalten in Ehingen..
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