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Am Samstag Morgen reißt uns der Wecker um 3:30 Uhr aus dem Bett. Blinzelnd wird die Kaffeemaschine angeworfen, die dampfende Flüssigkeit weckt die noch müden Lebensgeister. Pünktlich um 4:30 Uhr rollen Hans und Stefan auf den Hof und wir starten zum Stuttgarter Flughafen. Knappe 3 Stunden später stehen wir in London-Stansted in der Warteschlange für die Passkontrolle, sogar unser Gepäck ist pünktlich. Per Mietwagen starten wir zu unserem ersten Tagesziel, der „Shuttleworth Collection“ in Old Warden. Richard Shuttleworth, ein wohlhabender Industrieller, begeisterter und erfolgreicher Autorennfahrer hat schon in den dreißiger Jahren begonnen, für kleines Geld Flugzeuge zu sammeln, die heute längst nicht mehr zu bekommen sind. Bleriot von 1909, Hummingbird, die einzige DH88 Comet und viele andere extrem rare Kostbarkeiten. Der Shuttleworth Trust pflegt diese einzigartige Sammlung weiter und hält alle(!) Flugzeuge in lufttüchtigem Zustand.
Bei unserem Besuch stehen die Flugzeuge in 8 Hallen dicht an dicht, es riecht nach Spannlack, Öl und Benzin. Im Hangar 1 werden gerade eine Spitfire und ein Fieseler Storch restauriert, wobei man den ehrenamtlichen Helfern gern über die Schulter schauen kann. Sie sind es auch, die mit großem Engagement alle Flugzeuge im Sommerhalbjahr regelmäßig öffentlich vorfliegen. Friedlich stehen hier der deutsche Focker Dreidecker und die britische SE5 aus dem 1. Weltkrieg nebeneinander, eine Lysander neben der Gloster Gladiator und die Bristol Boxkite steht unter einem Nachbau des Lilienthal’schen Flugapparates. Wir sind nach mehreren Stunden intensivem Hangerschnüffeln in den Kinderschuhen der Fliegerei völlig geschafft. Vor dem Hangar zelebrieren wir eine kleine Teestunde mit „shortbread“ und „Earl Grey“ und lassen die müden Füße zur Ruhe kommen. In Stevenage beziehen wir unser Nachtquartier und erkunden die Pub-Szene in der Altstadt per Pedes. Ein Pub ist skurriler als das andere und wir bleiben im lokalen Szenetreff hängen. Nach ausgiebigem Genuss von Abbot’s Ale sinken wir in den wohlverdienten Schlaf.
Sonntag heißt es früh aufstehen, damit wir in Duxford noch eine Chance auf einen der begehrten Plätze am Zaun haben. Umsonst früh aufgestanden, wir sitzen in der 2. Reihe, auf den wohlweislich mitgebrachten Stühlen und Hockern. Cambridgeshire zeigt sich von seiner besten Seite und verwöhnt (und brät) uns mit ungewohntem Sonnenschein. Der Vormittag gehört dem Museum mit seiner neu eröffneten Halle zur Geschichte der britischen Luftfahrt (inklusive Concorde). Für 4 Pfund kann man die Flightline direkt an den Flugzeugen abschreiten und die Versammlung der Warbirds aus der Nähe begutachten. Was nicht alles da ist: Spitfire in allen Versionen, P51 Mustang, B17, B25, mehrere DC3, 2 JU52, Corsair, Catalina, Aircobra, Sea Fury, Bf109, FW190, F15 Strike Eagle Boing Stearman und und und…
Pünktlich um 13:45 Uhr beginnt die Show und wir kommen für die nächsten 4 Stunden aus dem Hälse verrenken und staunen nicht heraus. Alle Flugzeuge werden perfekt einzeln und in Formationen vorgeführt, die F15 donnert im Tiefflug mit Nachbrenner über die Piste, ein Paradies für die Liebhaber von Fluglärm. An allen Ecken und Enden wird gefachsimpelt, gestaunt oder fotografiert (teilweise auf mitgebrachter Leiter). Mit roten Köpfen dank der Sonne und ganz benebelt von den vielen Eindrücken machen wir uns wieder auf den Heimweg. Ein Wochenende der Superlative endet für uns um Mitternacht mit einigen hundert Fotos und vielen Minuten Film und noch mehr Erinnerungen: Merry old England, wir kommen wieder!!
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